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85. VDA-Bundeskongress in Siegen am 27. und 28. April 2019

Ferdi Wurm

Ferdi Wurm von den Aquarienfreunden Siegerland e. V. war Organisator des Bundeskongress 2019

Unter dem Motto "Eine Reise durch die Aquaristik" richtete der Bezirk 15 Rheinland-Pfalz den jährlichen VDA-Verbandstag am Freitag und den 85. Bundeskongress am Samstag und Sonntag in der Siegerlandhalle aus. Organisatoren war Ferdinand Wurm und seine Kameraden von den Aquarienfreunden Siegerland e. V..
Auf den VDA-Bundeskongressen finden sich jedes Jahr Mitglieder von Aquarien- und Terrarienvereinen aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen, um sich über die Vivaristik zu informieren. Ferdi Wurm hatte dazu ein tolles Programm zusammengestellt, dass Themen aus Süßwasser, Meerwasser, Terraristik und Arten- und Umweltschutz umfasste und damit das gesamte Spektrum des VDA abdeckte.
Wir möchten hier versuchen einen knappen Überblick über die Vorträge des Kongresses zu geben. Die in rund 45 Minuten vorgetragenen Beiträge der jeweiligen Experten lieferten knapp und anschaulich zahlreiche Informationen, die sich nur schwer in wenigen Sätzen umfassend wiedergeben lassen. Dennoch sind die Inhalte der Beiträge so wichtig und interessant, dass sie zumindest ansatzweise hier festgehalten werden sollen.
Franz-Peter Müllenholz

Franz-Peter Müllenholz stimmte mit einer musikalisch untermalten Präsentation die Besucher auf den Kongress ein.


Begrüssung in der Siegerlandhalle

Am Samstag begann der Kongress mit der Begrüßung durch den VDA-Präsident Jens Crueger und Grußworten vom Siegener Bürgermeister Steffen Mues. Danach stimmte der Film "Eine Reise durch die Vivaristik" von Franz-Peter Müllenholz von den Fisch Knipsern Köln (FKK) die Anwesenden mit einem Einblick in die Vielfalt des Hobbys auf die Vorträge der nächsten 2 Tage ein. Die Fisch Knipser Kölln sorgen seit über 30 Jahren mit ihren Vorträgen für Aufsehen, bei denen in der Vergangenheit mit bis zu 16 Dia-Projektoren Show-Effekte mit wunderschönen Bildern und synchroner Musik erzeugt wurden. Die moderne Technik macht die Präsentation einfacher, aber die fasziniernde Komposition aus Bildern und Musik nicht weniger beeindruckend. Die Präsentation auf dem 85. VDA-Bundeskongress war der letzte öffentliche Auftritt der FKK.
Andreas Wagnitz

Andreas Wagnitz führte in die Welt der Grundeln ein.


Andreas Wagnitz: Interessante Grundeln

Andreas Wagnitz stellte in seinem Vortrag "Interessante Grundeln" vor. Mehr als 2050 Grundelartige sind heute bekannt, wovon die Echten Grundeln mit 258 Gattungen die meisten Arten stellen. Die kleinste Art der Familie ist nur knapp 1 cm lang, die größte wird etwa 60 cm groß. Darunter sind recht attraktive Fische wie die bis 40 cm lange Schlangenkopfgrundel, aber auch viele grau-braune Arten. Die Pflege und Nachzucht von Grundeln sind nicht immer einfach, da die oft sehr zahlreichen Nachkommen bei vielen Arten als winzige Larven schlüpfen und nicht immer geeignetes Futter zur Verfügung steht.
Ausführliche Informationen über Grundeln sind auf der Homepage des Referenten unter http://www.awinternet.de/Grundeln.html zu finden.

Dieter Brockmann: Meerwasser-Aquarium

Dieter Brockmann

Dieter Brockmann veranschaulichte die Entwicklung der Meerwasseraquaristik von der reinen Fischhaltung zur spezialisierten Pflege von Korallen.
Nach einer kurzen Pause setzte Dr. Dieter Brockmann die Vortragsreihe mit dem Thema "Meerwasser-Aquarium" fort. Der Referent ist seit über 30 Jahren Meerwasseraquarianer und war lange Redakteur des Meerwasseraquaristik-Magazins "Koralle".
In seinem Vortrag stellte er die Entwicklungen in der Meerwasseraquaristik von den 1950ern mit Riff-Fischen und toten, künstlich gefärbten Korallen über das erste Auftauchen von Wirbellosen wie Lederkorallen und Hornkorallen bis zu den heutigen Riffaquarien mit Steinkorallen und diversen Fischen, Krebsen und anderen Wirbellosen. Dabei ging er unter anderem auf die Frage ein, in wie weit die Entnahme von Wildfängen aus der Natur den Ökosystemen schadet. Wissenschaftliche Untersuchungen an der Küste von Hawaii haben gezeigt, dass durch das schonende Fangen von Zierfischen in den dafür ausgewiesenen Bereichen des Riffs keine Auswirkungen auf die Populationen haben. Gefangene Jungtiere werden durch neue Tiere ersetzt, die aus den Revieren ihrer Eltern in Schutzgebieten abwandern. Die Entnahme von Korallenbruch und lebenden Steinen aus Riffen macht auch nur einen sehr kleinen Teil des jährlich aus dem Riff gebrochenen Korallenkalks aus. Beispielsweise wurden 1997 weltweit 600 Tonnen Korallen für die Aquaristik gesammelt. Im gleichen Jahr wurden allein in Sri Lanka 105.000 Tonnen Korallenkalk für den Bau von Uferbefestigung, Straßen und Landepisten benötigt. Heute werden Korallen vor allem in Zuchtstationen vermehrt und nur noch selten aus der Natur entnommen. Auch viele Doktorfische, Kaiserfische und Clownfische werden bereits in Zuchtstationen in den USA und in Asien vermehrt. Die Vorteile der Nachzuchten sind der Schutz der natürlichen Ressourcen, die Vermeidung von Fängen mit umweltschädlichen Fangmethoden (Gift, Dynamit), eine geringere Gefahr von Parasiteneinschleppung und der Vorteil, dass der Aquarianer Tiere bekommt, die an Aquarienfutter gewöhnt sind. Nachteile sind die deutlich höheren Preise für die Nachzuchttiere und das Risiko von Faunenverfälschung und der Verschleppung von Krankheiten und Parasiten, wenn Tiere außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets in Käfigen im offenen Meer vermehrt werden.
Arne Nolte

Arne Nolte gab einen Einblick in die Kaltwasseraquaristik und die Fischvielfalt in der Sieg.

Arne Nolte: Die Sieg - Fische, Lebensräume, Evolution

Nach der Mittagspause stellte Arne Nolte Kaltwasserfische aus der Sieg vor. Der Referent ist Professor für Ökologische Genomik am Institut für Biologie und Umweltwissenschaften der Universität Oldenburg. Er leitet die AG Ökologische Genomik, die die Evolution von Fischarten untersucht. Forschungsschwerpunkt ist, welche Merkmale im Erbgut die Tiere und Pflanzen in ihrer Umwelt erfolgreich machen. Die Arbeitsgruppe erforscht, unter welchen Bedingungen Hybridisierung die Bildung neuer Arten fördert. Ein Untersuchungsgebiet ist die Sieg und ihre Nebenflüsse, in denen unter anderem Hybriden von diversen Karpfenfischen leben und Groppen-Art zu finden ist, die sich als eine junge Hybride zwischen zwei Groppen-Arten herausgestellt hat. Als Mitglied des Arbeitskreis Kaltwasserfische und Fische der Subtropen ging Dr. Nolte auch auf die Aquarienhaltung einiger in der Sieg heimischen Fische ein. Ein Hauptproblem in der Pflege ist vor allem die Regulierung der Temperatur, die sommers und winters kühl genug sein muss, damit die Tiere sich fortpflanzen können. Eine besonders empfehlenswerte und schöne Art ist die Elritze. In der Natur sind für die Fische vor allem Faunenverfälschung, Umweltverschmutzung und Verbauung von Wanderwegen ein Problem.

Maike Wilstermann-Hildebrand: Ernährung von Aquarienpflanzen

Maike Wilstermann-Hildebrand und Ferdi Wurm

Maike Wilstermann-Hildebrand und Ferdi Wurm
Foto: Franz-Peter Müllenholz
Als nächstes kam der Vortrag "Ernährung von Aquarienpflanzen" von Maike Wilstermann-Hildebrand. Die Referentin ist seit 30 Jahren Aquarianerin und studierte Gartenbauingenieurin. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit Pflanzenernährung, Pflanzenkrankheiten und Ökologie von Land- und Wasserpflanzen.
Das Hauptproblem in der Ernährung von Aquarienpflanzen liegt darin, zu erkennen, welche Nährstoffmängel vorliegen. Erst wenn an Hand der Symptome an den Pflanzen, den Wasserwerten und möglicherweise auftretendem Algenwuchs ein oder mehrere Nährstoffmängel identifiziert wurden, können mit geeigneten Düngern gezielt die fehlenden Nährstoffe ergänzt werden. Darum gab die Referentin einen Überblick über die Ausprägung von Symptomen bei verschiedenen Mängeln an grünen und rotlaubigen Rosetten und Stängelpflanzen. Vielfach leiden Aquarienpflanzen gleichzeitig unter verschiedenen Mängeln, so dass eine Diagnose teilweise schwierig ist.
Der einzig richtige Aquariendünger ist immer der, der die Nährstoffe enthält, die den Pflanzen fehlen.
Eine Übersicht über die Mangelsymptome gibt es in einem Handout der Wasserpflanzenfreunde zum 1. Workshop "Aquarienpflanzen". Das Dokument ist hier verfügbar.
Dieter Untergasser

Dieter Untergasser stellte verschiedene Möglichkeiten zur Reduktion von Nitrat und Phosphat im Aquarium und im Teich vor.


Dieter Untergasser: Phosphat und Nitratabbau im Süß- und Meerwasser

Im Anschluss stellte Dieter Untergasser Möglichkeiten für den "Phosphat und Nitratabbau im Süß- und Meerwasser" vor. Neben verschiedenen chemischen Möglichkeiten und den Entzug durch Pflanzen, ist auch die Denitrifikation in speziellen sauerstoffarmen Filtersystemen möglich. Diese benötigen für die Aktivität der denitrifizierenden Bakterien einen Kohlenstoffquelle (Stichwort "Vodka-Filter"). Eine weitere Möglichkeit Nitrat und Phosphat im Aquarium zu reduzieren und für Pflanzen optimal verfügbar zu machen ist der Einsatz von Bodenflutern, die eine langsame Zirkulation des Wassers im Boden fördern.

Ingo Seidel: Wohin geht die Aquaristik künftig?

Ferdi Wurm und Ingo Seidel

Ingo Seidel berichtete aus der Praxis des Zierfischgroßhandels.


Den Abschluss bildete der Vortrag von Ingo Seidel "Wohin geht die Aquaristik künftig?". Aus Sicht seiner beruflichen Praxis im Zierfischgroßhandel stellte der allseits bekannte Welsexperte die Vor- und Nachteile von Nachzuchten und Wildentnahmen bei Zierfischen vor. In den letzten 15 Jahren sind die Importe von Wildfängen stark zurück gegangen. Ursache dafür ist vor allem die von Brasilien eingeführte Positivliste, die den Export vieler begehrter Zierfische nicht mehr zuließ. Inzwischen sind 90 % der gehandelten Süßwasserzierfische Nachzuchten. Nur etwa 30 Arten werden in großen Mengen weltweit gehandelt. Der Guppy und der Neonfisch machen allein 25 % der importierten Tiere und rund 14% des gesamten monetären Umsatzes aus. Hauptsächlich werden die Tiere in Südostasien und Südamerika nachgezogen. Aus Afrika werden kaum Tiere importiert. Wegen schlechter Infrastruktur und fehlender Kenntnisse der Fänger und Zwischenhändler vor Ort ist die Qualität der afrikanischen Wildfangtiere oft so schlecht, dass der Import für die Großhändler nicht vertretbar ist. Hauptexporteur von Zierfischen ist Singapur, von wo fast ein Fünftel aller Zierfische in der Süßwasseraquaristik stammen. Die Abnahme des Exports von wildgefangenen Zierfischen wirkt sich negativ auf die Situation der Menschen in den Herkunftsländern aus und erhöht das Risiko von Umweltzerstörung. Der Rote Neon war lange der Hauptexportschlager von Brasilien und machte 70% des Umsatzes bei den Zierfischen aus. In den Hauptfangebieten macht der kleine Fisch 80% der lokalen Einnahmen aus und 10.000 Arbeiter sind mit dem Fang und dem Handel beschäftigt. Zwischen 2006 und 2010 hat sich der Export aus Brasilien aber halbiert. Dadurch besteht die Gefahr, dass sich immer mehr Menschen für ihren Lebensunterhalt der Landwirtschaft oder der Holzfällerei oder dem Abbau von Bodenschätzen zuwenden. Dadurch sind die Lebensräume entlang des Flusses stark bedroht. Für den Zierfischhandel hat der Rückgang des Exports dagegen kaum einen Einfluss, weil der Bedarf durch Nachzuchten gedeckt werden kann. Der Zoofachhandel wird heute von großen Ketten dominiert, die das ganze Jahr über Tiere in bestimmten Größen zur Verfügung haben wollen und Aktionen über Monate hinweg im Voraus planen. Mit den nur saisonal verfügbaren Wildfängen lässt sich diese Strategie nicht umsetzen, was ein wichtiger Grund dafür ist, dass heute die meisten Zierfische in der Süßwasseraquaristik von großen Zierfischzüchtern stammen.

Kontaktpflege

Aquarienvereine

Auf den Bundeskongress bekannten die Aquarienvereine von nah und fern Farbe
Ein wichtiger Faktor bei allen Zusammenkünften von Aquarianern und Terrarianern ist der persönliche Austaisch über das Hobby. Auf dem Verbandskongress spielen zusätzlich noch Vereinspolitik, Mitgliederwrbung, Jugendarbeit und das Hobby in der Politik und der Gesllschaft eine große Rolle.
In den Pausen wurden in Siegen neue Bekanntschaften gemacht und alte gepflegt. Im Foyer vor dem Veranstaltungssaal waren an einem Stand der Aquarienfreunde Siegerland und dem Arbeitskreis Wasserpflanzen umfangreiches Infomaterial ausgelegt. Unter anderem waren Ausgaben der Viviparos, dem Magazin des VDA-Arbeitskreises Lebendgebärende Aquarienfische, der Aqua Planta vom Arbeitskreis Wasserpflanzen und Ausgaben der VDA-aktuell kostenlos erhältlich. Im Rahmen des Kongresses gab es zudem ein Treffen von Jugendgruppenleitern, die in den nächsten Monaten gemeinsam Leitlinien für die Jugendarbeit erstellen wollen. Am Abend trafen sich die Aquarianer zum Festabend im Restaurant der Siegerlandhalle.
Stefan Jäger vom Arbeitskreis Wasserpflanzen

Stefan Jäger aus der Regionalgruppe NRW stellte an seinem Stand den Arbeitskreis Wasserpflanzen e. V. vor.

Neues aus dem VDA und Ehrungen

Ehrungen 2019

Werner Meidling und Rudolf Pohlmann bekamen die bronzene Plakette und Rolf Rickborn und Klaus-Dieter Konopka die silberne Plakette
Der Sonntag begann mit Grußworten des VDA-Präsidenten und dem Bericht des Präsidiums zu Neuigkeiten aus dem VDA. Der VDA erarbeitet ein Marketingkonzept, dass konkrete Unterstützung der Vereine mit informativen Werbemitteln (Flyern, Banner et.) vorsieht. Die Vereine wurden zur Teilnahme am Tag des öffentlichen Aquariums am 3. November 2019 aufgerufen. Die Leiterin des Referat Jugendarbeit Sabine Witt rief die Anwesenden zu verstärktem Einsatz für die Jugendarbeit auf und forderte sie dazu auf ihr Hobby stärker in der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Dann wurden einige verdiente Mitglieder des VDA für ihren ehrenamtlichen Einsatz in den Vereinen und Bezirken geehrt. Unter den Geehrten waren unter anderem Klaus-Dieter Konopka, der Bezirksvorsitzende unseres Nachbarbezirks 21 Rhein-Ruhr, der ehemalige VDA-Präsident Stefan Karl Hetz, der ehemalige VDA-Vizepräsident Kommunikation Werner Meidling und Rudolf Pohlmann, der seit vielen Jahren im VDA und der Deutschen Killifisch Gemeinschaft aktiv ist und zu den Gründungsmitgliedern der Zierfischfreunde Warendorf e. V. gehört.
Im folgenden Vortragsprogramm gab es leider einige Änderungen. Der Vortrag "Meine Blattschneider-Ameisen" von Timo Hörske musste leider entfallen, weil der Referent aus beruflichen Gründen nicht kommen konnte. Der Beitrag "Neuigkeiten in der Artenschutz-Gesetzgebung" von Peter Sound von der European Aquarium and Terrarium Association (EATA) entfiel, weil der Referent erkrankt war.

Frank Schäfer: Warum Fischimport auch aktiver Naturschutz ist

Frank Schäfer

Frank Schäfer verdeutlichte, dass der Zierfischhandel nur einen geringen Einfluss auf die Bestände in der Natur hat.
Der Beitrag "Warum Fischimport auch aktiver Naturschutz ist" von Frank Schäfer schloss sich inhaltlich an den Beitrag von Inge Seidel an. Es wurde durch Belege aus der Datenbank der IUCN Red List of Threatened Species deutlich, dass weder Zierfischhandel noch eine andere Wildentnahme von Tieren für die Tierhaltung je eine Tierart ausgerottet oder an den Rand der Ausrottung gebracht hat. Tatsächlich sind im Hobby Tierarten zu finden, die in der Natur ausgestorben sind und nur durch die Bemühungen von Hobbyisten noch existieren. Dazu gehört zum Beispiel der Feuerschwanz, der in seiner Heimat ausgestorben ist, weil ein Staudamm den Weg zu den Laichplätzen versperrt. Schäfer betont auch, dass es nicht nachvollziehbar sei, warum Vivarianern nachgesagt wird, dass sie es besonders auf seltene Raritäten abgesehen hätten. Der einzige bekannt Fundort des Rio Atoyac- Schwertträgers (Xiphophorus andersi) ist durch einen Karsteinsturz in der Region verschwunden, weil der Fluss in dem Gebiet des Erstnachweises inzwischen unterirdisch fließt. Dadurch ist dieser eher farblose Fisch zu einer sehr seltenen Art geworden und möglicherweise in der Natur ausgestorben. Dadurch verbessert sich jedoch die Nachfrage nach den Tieren nicht. Wie Frank Schäfer pointiert formulierte: "Die will doch keiner haben. Wenn ich davon 30 mit zu einer Börse nehme, bringe ich 50 wieder mit zurück."
In der Aquaristik sind rund 1500 Fischarten bekannt. Viele davon sind aber nur wenige Male importiert worden und werden selten oder gar nicht im Handel angeboten. Nur etwa 300 - 400 Arten werden mehr oder weniger regelmäßig im Handel zu finden. Davon stammt der größte Teil aus Nachzuchten. Wie es bereits am Vortag angeklungen war, betonte auch Schäfer, dass der Import von Zierfischen aus den Ursprungsgebieten einen finanziellen Anreiz für die Einheimischen bietet, die Naturstandorte zu erhalten. Etwa 20 Millionen Neons werden jährlich in der etwa 2 Monate dauernden Saison in Brasilien gefangen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass die Entnahme der Tiere sich nicht auf die Populationen auswirkt. Tatsächlich verkraften die Schwärme jedes Jahr noch viel größere Verluste, weil die Tiere am Ende der Regenzeit in großen Mengen in Senken von den Flussarmen abgeschnitten werden und dort sterben, wenn das Wasser verdunstet.
Ferdi Wurm und Stefan Hetz

Ferdi Wurm und Stefan Karl Hetz
Foto: Franz-Peter Müllenholz

Stefan Karl Hetz: Der Zierfischimport aus Südamerika

Dieses Thema wurde von Stefan Karl Hetz in seinem Vortrag "Der Zierfischimport aus Südamerika" wieder aufgegriffen. Er stellte Fische, Transportwege und Regularien für den Export aus Südamerika vor. Es wurde dabei deutlich, dass vor allem die fehlende Infrastruktur in Form von gut befahrbaren Straßen und regelmäßigen zuverlässigen Flugverbindungen, die Regionen einschränkt in denen Fische für den Export gesammelt werden. In den Sammelgebieten sind die Zierfischexporte eine wichtige Einnahmequelle für die Einheimischen, die durch diese nachhaltige Nutzung dazu beitragen, dass die Lebensräume unserer Zierfische erhalten bleiben.

Verabschiedung

Den Abschluss bildete ein kurzer Schlussvortrag mit den Highlights des Kongresses. Der 86. VDA-Bundeskongress ist am 16. und 17.Mai 2020 in Lübeck.

Plakat mit der Ankündigung des nächsten Kongresses